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Keine Klimagerechtigkeit ohne fairen Handel

500 Millionen Kleinbauernfamilien liefern über 80 Prozent der im Globalen Süden konsumierten Nahrungsmittel. Zusammen mit den Landarbeiter*innen sind sie zugleich am stärksten von den verheerenden Auswirkungen des Klimawandels betroffen. „Kleinbäuerinnen und -bauern stehen im Kampf gegen den Klimawandel an vorderster Front. Einerseits leisten sie einen großen Beitrag zur Armutsreduktion und zur weltweiten Ernährungssicherheit. Gleichzeitig sind sie dem Klimawandel am stärksten ausgesetzt und besonders von Armut und Hunger bedroht. Ihre Stimme muss in den Verhandlungen im Rahmen der COP deshalb dringend stärker gehört werden", appelliert Dieter Overath, Geschäftsführender Vorstandsvorsitzender bei TransFair, an die internationale Gemeinschaft.

„Kleinbäuerinnen und -bauern leiden zunehmend unter Ernteausfällen, Wasserknappheit und Naturkatastrophen. Das gefährdet die Ernährungssicherheit sowie die Lebensgrundlage ganzer Gemeinschaften. Die Anpassung an den Klimawandel wird daher für viele zu einer Frage von Leben und Tod“, kritisiert Andrea Fütterer, Vorsitzende des Forum Fairer Handel und Leiterin der Grundsatzabteilung der GEPA - The Fair Trade Company. „Als Teil der globalen Fair-Handels-Bewegung rufen wir die internationale Gemeinschaft auf, umgehend ambitionierte und konkrete Maßnahmen für Klimaschutz und -anpassung zu ergreifen, um den Weg für Klimagerechtigkeit zu ebnen“, fordert Andrea Fütterer mit Blick auf COP 24. So benötigen kleinbäuerliche Erzeuger*innen und marginalisierte Bevölkerungsgruppen dringend mehr finanzielle Unterstützung, Fortbildungen und fachkundige Beratung im Kampf gegen den Klimawandel.

Der Klimawandel gefährdet globale Lieferketten
Neben den Auswirkungen des Klimawandels leiden Kleinbäuerinnen und –bauern unter extremen Preisschwankungen im konventionellen Welthandel, Preisdruck und ungerechten Handelspraktiken. Handelsgerechtigkeit ist ein wichtiger Schritt, um Klimagerechtigkeit zu erreichen, indem die Bedürfnisse von kleinbäuerlichen Erzeuger*innen Priorität erhalten und deren höhere Risiken berücksichtigt werden.
Die Fair-Trade-Bewegung steht für ein faires Handelsmodell auf Augenhöhe, welches nachhaltige Produktions- und Konsummuster befördert. Durch die Kombination sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Aspekte trägt der Faire Handel zu besseren Zukunftschancen, finanzieller Stabilität und letztlich zu mehr Klimaresistenz für diejenigen bei, die am Anfang globaler Lieferketten stehen. Der Faire Handel zeigt, dass Handel zum Wohl von Menschen und Umwelt möglich ist.

Vor diesem Hintergrund ruft die internationale Fair-Handels-Bewegung die Vertragsstaaten der UNFCCC auf der COP24 dazu auf, aktiv zu werden:

1. Führen Sie Mechanismen für mehr Transparenz, Anreizsysteme und verbindliche Vorschriften ein, die für privatwirtschaftliche Akteure gelten, um klimaresistente und gerechte Lieferketten aufzubauen und zu gewährleisten, dass internationale Konzerne ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen;
2. Unterstützen Sie Kleinbauernfamilien und benachteiligte Bevölkerungsgruppen über finanzielle Mittel, Fortbildungen und fachkundige Beratungen, die gezielt auf die Bedürfnisse der Kleinbäuerinnen und -bauern ausgerichtet ist;
3. Fördern Sie Mechanismen für die Internalisierung von Kosten, die durch unfaire und klimaschädliche Wirtschaftsaktivitäten entstehen;
4. Stellen Sie sicher, dass internationale Konzerne, die in Ländern des Globalen Südens tätig sind, Steuern gemäß ihrer Größe und Aktivitäten vor Ort zahlen und Regierungen in die Entwicklung klimaresistenter Modelle investieren;
5. Investieren Sie in den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Gebieten in Agrarforschung und fördern Sie landwirtschaftliche Praktiken, die auf die Steigerung der Resilienz von Kleinbäuerinnen und -bauern ausgerichtet sind.

Als Mitglieder des Dachverbands deutscher Nichtregierungsorganisationen VENRO sowie der Klima-Allianz schließen sich das Forum Fairer Handel e.V. und TransFair e.V. außerdem deren gemeinschaftlichem Positionspapier „COP 24: Deutschland aus dem Klimaabseits holen“ an. Deutschland und die EU-Mitgliedsstaaten tragen als Industrienationen eine große internationale Verantwortung und müssen dringend stärker zur Erhöhung der Klimaschutzambition beitragen.

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